6SB Jöchle Bahn
Thema Kosteneffizienz

Die Kunst, an der richtigen Stelle zu investieren
Die Erwartungen der Gäste an Komfort und Qualität steigen, die Investitionen in Seilbahnen und Beschneiung sind enorm. Wo sind Einsparungen möglich, wie lassen sich knappe Budgets effizient einsetzen? Bei der Glungezerbahn südöstlich von Innsbruck gelang Salzmann Ingenieure der Spagat. Bei der Jöchle-Bahn im Skigebiet Silvretta Montafon ermöglichte ein Kunstgriff entsprechende Einsparungen. Zwei Beispiele für zielgerichtetes Investieren.
JÖCHLE BAHN
Neues Leben für eine alte Anlage
Ein gänzlich anderes Projekt, ein gänzlich anderer Auftraggeber, gänzlich andere Maßnahmen – und doch dasselbe Prinzip: Auch für die Erneuerung der Jöchle-Bahn im Skigebiet Silvretta Montafon ist „zweckmäßig“ die passende Beschreibung. Das große Vorarlberger Skigebiet mit 35 Liften war 2010 aus einer Fusion von Silvretta Nova und Hochjoch entstanden.
Ein offener Punkt war die Erneuerung des alten Jöchle-Doppelschlepplifts. Trotz attraktiver Pisten in einem stark frequentierten Bereich des Skigebiets nützten ihn immer weniger Skifahrer – eine Sesselbahn musste her. Als der Hersteller Doppelmayr die 16 Jahre alte Kombibahn Natrun aus Maria Alm anbot, griffen die Montafoner zu.
Strenge Regeln ausgereizt
„Für den Wiederaufbau einer bestehenden Anlage gelten strenge Regeln, es darf nichts Gravierendes verändert werden“, weiß Stephan Salzmann. Der erfahrene Seilbahnplaner reizte die Möglichkeiten aus: Aus der Kombibahn wurde eine kuppelbare 6er-Sesselbahn, Berg- und Talstation wurden vertauscht. Auch die Seilspannkräfte änderten sich. All das akzeptierten die Behörden.
An einem Punkt wäre die Weiterverwendung der Anlage dennoch beinahe gescheitert: Bei der neuen Bergstation war kein Platz für eine Sicherheitsstrecke, die bei der ursprünglichen Genehmigung 2002 noch vorgeschrieben war. Seilbahnhersteller Doppelmayr fand schließlich einen Präzedenzfall, bei dem die Behörde schon einmal auf eine Sicherheitsstrecke verzichtet hatte. Das Projekt war gerettet.
Bahnsystem
kuppelbare 6er-Sesselbahn
Förderleistung
2.335 Personen/h
Horizontale Länge
864 Meter
Höhenunterschied
305 Meter
Fahrstrecke
963 Meter
Fahrzeit
3:30 Minuten
Anzahl Fahrzeuge
46 Stück
Anzahl Stützen
10
Max. Fahrgeschwindigkeit
5 m/s
Elektr. Leistung Betrieb
326 kW
Elektr. Leistung Anfahren
412 kW
Hersteller
Doppelmayr



Hoher Planungsaufwand
„Der Planungsaufwand ist bei einer gebrauchten Anlage schon deutlich höher“, resümiert Markus Vollmann, Projektleiter Tiefbau bei der Silvretta Montafon. Dem gegenüber steht eine entsprechende Kostenersparnis.
Unter enormem Zeitdruck wurde der Bau dann realisiert: Die Kombibahn Natrun lief noch bis Mitte August 2018 in Maria Alm im Sommerbetrieb. Nach der Demontage mussten viele Teile erst einmal zur Überprüfung gebracht werden, bevor sie im Montafon neu eingebaut werden durften. Dennoch ging die neue Jöchle-Bahn pünktlich zur Wintersaison 2018/19 in Betrieb. Stationsgerüste, Stationseinrichtungen, Antrieb, Bremsen und Abspannung, die Sessel und viele Stützenbauteile konnten weiterverwendet werden.
Einige Komfortmerkmale wie die Wetterschutzhaube fehlen der gebrauchten Anlage, räumt Markus Vollmann ein. „Doch die sind an diesem Hang, der vor allem bei Schönwetter befahren wird, nicht unbedingt nötig. Die Anlage erfüllt vollkommen ihren Zweck.“

Geschäftsführer Salzmann Ingenieure
Prioritäten setzen
Dass ein Premium-Skigebiet einen solchen Kompromiss eingeht, hält Seilbahnplaner Salzmann für „grundvernünftig“: „Die Region hat noch eine ganze Reihe großer, wichtiger Investitionen vor sich. Auch in einem finanzstarken Gebiet muss man Prioritäten setzen.“
Und hier schließt sich der Kreis zwischen der großen Skistation Silvretta Montafon und dem kleinen Nischenanbieter am Glungezer: Das vorhandene Geld ist immer begrenzt. Die Frage ist: Wie setze ich es am besten ein? Wo spürt es der Gast am meisten?
Den größten Hebel sieht Salzmann nicht beim einzelnen Projekt, sondern bei der Planung für das ganze Gebiet: „Mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Konzept weiß ich genau, welche Investition am meisten Nutzen bringt und in welcher Reihenfolge ich die Verbesserungen umsetze.“






















