Schartenkogel-Express: Österreichs erste „Ropera“ entsteht am Glungezer

Im Skigebiet Glungezer bei Tulfes in Tirol ersetzt die Glungezerbahn den 2018 stillgelegten Schlepplift Kalte Kuchl und den in die Jahre gekommenen Doppelsessellift Schartenkogel durch eine neue kuppelbare 6er-Sesselbahn mit Wetterschutzhauben und Sitzheizung. Die Anlage ist die erste der auf der Interalpin 2025 vorgestellten Seilbahngeneration „Ropera“ der Fa. Leitner in Österreich. Salzmann Ingenieure begleitet den Neubau der Sesselbahn als Seilbahnplaner – von der Planung bis zur Bauüberwachung.

Bisher: Schlepplift + fix geklemmter Doppelsessellift aus 1989
Durch die Stilllegung des Schlepplifts Kalte Kuchl konnte auch die dazugehörige Piste nicht mehr genutzt werden. Diese wird nun reaktiviert.
Der Doppelsessellift Schartenkogel wurde 1989 gebaut und ist eine der letzten Anlagen der nicht mehr existierenden Fa. Wopfner. Für die 2031 anstehende Generalrevision müsste die Anlage mit großem Aufwand umfassend überholt werden. Darüber hinaus wäre die Ersatzteilverfügbarkeit kritisch. Ein Weiterbetrieb der Anlage wäre somit nicht sinnvoll.
Die neue Bahn bringt mehr als nur Ersatz. Sie nutzt die vorhandenen Pistenflächen optimal aus und stellt für die Gäste der Glungezerbahn einen sicheren und hochkomfortablen Betrieb des Teilgebiets Kalte Kuchl/Schartenkogel sicher.
Die neue 6er-Sesselbahn auf einen Blick
- Anlagentyp: kuppelbare 6er-Sesselbahn (Leitner „Ropera“)
- Förderleistung: 1.500 P/h, im Endausbau 2.000 P/h
- Fahrgeschwindigkeit: 6 m/s
- Talstation: Talstation Schlepplift Kalte Kuchl, 1.760 m
- Bergstation: Gipfelplateau Schartenkogel, 2.309,5 m
- Höhenunterschied: 549,5 m
- Schräge Länge: 1.766 m
- Stützen: 12
- Fahrzeuge: 46, im Endausbau 61
- Ersetzt: Doppelsessellift Schartenkogel
- Inbetriebnahme: Winter 2026/27
Sicherheit und Komfort – vor allem für Familien und Skikurse
Das Skigebiet Glungezer ist bei Familien, Schulen und der lokalen Bevölkerung rund um Innsbruck und Hall-Wattens beliebt – darauf ist die Anlage ausgelegt.
Die kuppelbare Sesselbahn reduziert die Geschwindigkeit in den Stationen. Dadurch wird der Zu- und Ausstieg deutlich vereinfacht und sicherer. Die Sessel verfügen über Wetterschutzhauben, Komfortpolsterung und Sitzheizung, was den Komfort deutlich erhöht.
Bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 4 m/s schließen die Hauben automatisch, das erhöht die Windstabilität.
Technisch sitzt der Antrieb als Brückenantrieb in der Bergstation, die hydraulische Seilabspannung und ein vollautomatischer Garagierungsbahnhof in der Talstation.

Bergstation künftig mit Restaurant und Blick auf die Seilbahntechnik
Die Bergstation mit Architektur aus dem Hause SNOW wird rund 135 m nördlich der bisherigen Bergstation des Doppelsessellifts auf dem Gipfelplateau des Schartenkogels errichtet. In Erd- und Obergeschoss entsteht Raum für ein künftiges Restaurant mit Terrasse und 360°-Blick von Innsbruck über das Tiroler Unterland bis zu den Gipfeln des Zillertaler Alpenhauptkamms. Besonderes Detail: Aus dem Gastraum im Obergeschoss blicken die Gäste durch eine Glasscheibe direkt auf das Stationsgerüst – Seilbahntechnik zum Erleben.
Die Lage der Bergstation kam durch Zwangspunkte auf der Strecke und unter der Prämisse, möglichst gering in die Natur einzugreifen, zustande. Die Trasse ist so gewählt, dass die Bestandstrasse des alten Schlepplifts bestmöglich genutzt wird und der bergwärts linke Waldrand erhalten bleiben kann. So verbindet die Seilbahnplanung moderne Technik mit größtmöglicher Rücksicht auf Landschaft und Wald.
Enger Zeitplan beim Seilbahnbau
Die Bauarbeiten sind seit 03.07.2026 voll im Gange. Die Strecke steht und das Seil liegt. Nun arbeiten alle beteiligten Firmen, wie auch die Bauherrschaft selbst, mit Hochdruck an der Fertigstellung von Tal- und Bergstation, damit die Anlage termingerecht vor Weihnachten in Betrieb genommen werden kann.

Dieses Projekt spiegelt den Facettenreichtum in der Seilbahnplanung wider: technische Innovation, interdisziplinäre Planung und enge Abstimmung mit Bauherrschaft, Hersteller und Behörden.
Projekte wie dieses zeigen, worum es in der Seilbahnplanung für Skigebiete geht: Kapazität, Komfort und Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen – von der Machbarkeitsstudie über Einreichung und Bauverhandlung bis zur Bauüberwachung vor Ort.
Wir freuen uns darauf, diesen Winter mit der ersten „Ropera“ Österreichs auf den Schartenkogel zu fahren!
Einen Überblick über realisierte Seilbahnprojekte geben unsere Referenzprojekte.
Projektleitung und Text: Loris Rau





